"Nimm die mit droff"

"Nimm die mit droff"

Wenn einer eine Reise tut … Dresden und seine Gäste (Auswärdschn) ergeben zusammen viele vergnügliche Begebenheiten. Die Gästeführer/innen der Stadt haben alle Hände voll zu tun, mit Klischees aufzuräumen und die eine oder andere Legende zu entlarven.

Darüber kann Erhard Riedel ein Lied singen. Er plaudert aus dem Nähkästchen und unterhält uns amüsant mit Geschichten rund um die bunte Gästeschar. Das Blaue Zimmer, die Karawane in Dresden oder null Bock auf Barock, auch das gibt es. Und wie ist eigentlich der Umtauschkurs zurzeit? Nehmen Sie den Autor mit einem Kaffee (ä Schälschn Heeßn) auf Ihr Sofa und machen Sie eine kurzweilige Lesepause!

Dresden und de Auswärdschn – der etwas andere Dresden-Entdecker


Publikation

Dresden und de Auswärdschn

Ein Gästeführer plaudert aus dem Nähkästchen

Dresden und de Auswärdschn
Edition:Alwis VerlagDresden Entdecker
ISBN:978-3-938932-50-6
Einband:Taschenbuch, Fadenheftung
Seiten / Umfang:48 Seiten
Maße:17,5 cm x 14,0 cm
Preis:5,95 € inkl. 7% MwSt

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Leseproben & Infos

Die "Nimm die mit droff" - Geschichte

 Die "Nimm die mit droff" - Geschichte

Eine Fahrt über die älteste Brücke Dresdens, die August der Starke von Baumeister Pöppelmann im Wettbewerb um die schönsten Brücken Europas umbauen ließ, gehört zu einer Stadtführung meist dazu. Lustig finden manche Gäste , wenn ihnen die Geschichte vom dauergeilen August erzählt wird. Wenn August der Starke mit der Kutsche über die Brücke rollte, soll er dem Kutscher beim Anblick der legendär schönen Sachsenmädels (die angeblich in Sachsen auf Bäumen wachsen) zugerufen habe: Nimm die mit droff und die mit droff ...

Der Hintergrund dieser Anekdote ist den meisten Besuchern bis heute unbekannt. Die Brücke hieß während der DDR-Zeit „Dimitroff-Brücke“. Benannt nach einem bulgarischen kommunistischen Arbeiterführer, der 1933 im Zuge des Reichstagsbrandes in Berlin vor dem Reichsgericht wegen Hochverrats angeklagt wurde. Der Mann war so gewieft, dass er sich ohne Anwalt selbst verteidigte und das Gericht durch seine Gegenattacken in den Wahnsinn trieb. Er musste damals zähneknirschend freigesprochen werden.

Aus dieser Geschichte machten die Dresdner einen eher harmlosen politischen Witz als augenzwinkernden Protest gegen die Umbenennung der Brücke. Und der funktionierte auch nur mit unserer sächsischen Mundart.

Heute heißt sie wieder nach August dem Starken, „Augustusbrücke“.


Warum sind die Sandsteine so schwarz?

Warum sind die Sandsteine so schwarz?

Die Frage kommt garantiert! Besonders, wenn ein ganzer Bus voll schwäbischer Hausfrauen anrollt. Eine ganze Weile sehen sie sich das Elend in unserer Stadt stillschweigend an. Aber man sieht, wie es in ihnen brodelt. Irritiert betrachten sie die Gebäude. Schwarze Steine inmitten von hellen. Des isch doch net ... Und nun spätestens bricht es aus ihnen heraus, aus den landesweit für extreme Sparsamkeit und als Synonym für Sauberkeit bekannten, von Kindesbeinen zur Kehrwoche erzogenen, der Werbung „weißer als weiß“ und „porentief sauber“ ausgesetzten: „Saget Sie, kennet mer des net amol bissle putze!?“

Wir bauen nun mal mit Sandstein. Der kommt aus der Sächsischen Schweiz. Er wird in einem der verbliebenen Steinbrüche gebrochen, im Pirnaer Sandsteinwerk zugeschnitten und an Bildhauer, Steinmetze und Baufirmen geliefert, die ihn in historischen, aber auch in modernen Bauten verarbeiten. Sogar exportiert wurde und wird er seit Jahrhunderten! Nach dem Krieg, in dem viele Gebäude stark beschädigt und die in jahrzehntelanger mühevoller Arbeit wieder restauriert wurden, sieht man den Unterschied Alt und Neu. Sandstein enthält – außer Sand natürlich, auch Eisen, Mangan, Uran ... Kommt das mit Sauerstoff in Berührung, oxidiert es. Sandstein ist offenporig. Je nach Lage, ob wind- und wettergeschützt oder ob Regen, Schnee und Umwelt ausgesetzt, setzen sich Staubpartikel in die Poren. Moose und Flechten bilden sich in den Jahren. Eine natürliche Patina ... Es braucht seine Zeit, bis der neue Sandstein auch wieder alt aussieht und die Farbe seiner Vorgänger angenommen hat.

„Ha noi“, antworte ich deshalb ungerührt, „des putze mer net, des lasse mir so, wie´s isch!“ Ein etwas betröppeltes Lachen, nachdem ich es wieder geduldig erklärt habe.

Nun war ich vor Jahren im Schwarzwald. In Ottenhöfen. In dem alten Kloster Allerheiligen. Darin ein gemütliches Café und eine ebenso gemütliche Wirtin. Sie brachte mir Kaffee und Kuchen. Als sie merkte, woher ich kam, entschwand sie und kam mit einem gerahmten Etwas zurück, das sie mir voller Stolz zeigte. Ein Stifterbrief für einen gekauften Frauenkirchenstein. Ich war gerührt. 700 Kilometer entfernt von Dresden, mitten im tiefen Schwarzwald. Sie tippte auf eine Stelle an der Außenwand. „Das ist mein Stein“, sagte sie. „Oh“, erwiderte ich, „da kenne ich welche, gar nicht weit von hier, die wollen die Frauenkirche putzen.“

 „Schwobe“, meinte sie, „des kenne nur Schwobe sei. Mir sei Badener, mir mache so eppisch net.“

 Wie gut. Denn jedes unserer Gebäude hat seine Geschichte, die auch durch schwarze Steine erzählt wird.

 


Weitere Bilder von Uta Bettzieche aus Leipzig