Teufelshuf und Himbeerbrause

Teufelshuf und Himbeerbrause

Der Teufel, er nennt es Höllenleid, wir Menschen, nennen es - Liebe

Die glücklichen Großeltern sind gerade in ihr kleines Häuschen am Rande der Stadt gezogen, da bekommen sie unerwarteten Besuch. Der Kerl mit dem Pferdehuf steht plötzlich in der Tür. Er will die Großeltern richtig verteufeln und denkt sich mit seinen Kumpanen - der Hexe, dem Gerippe und den beiden Irrlichtern - üble Gemeinheiten aus, um sie auseinander zu bringen. Denn eines kann er überhaupt nicht leiden: wenn sich Leute richtig lieb haben. Nach vielen Bosheiten und schlaflosen Nächten begibt sich Großvater auf die Suche nach dem Teufel, um ihm das Handwerk zu legen. Dabei macht er eine merkwürdige Entdeckung: der Teufelwohnt nicht in einer Höhle, sondern in einem wunderschönen Schloss, wo es täglich Schokoladenpudding mit Himbeerbrause gibt. Und der Teufel scheint auch gar nicht mehr so böse zu sein ... Ob sich Großvater wieder von ihm täuschen lässt?

Eine höllisch-spannende Geschichte für mutige Kinder ab 9 Jahre und verliebte Großeltern.

 

 

1.Auflage (Taschenbuchausgabe), © 2018 Alwis Verlag e.K., Alle Rechte vorbehalten

Ab sofort im Handel erhältlich.

Erstausgabe, edition Sächsische Zeitung, Oktober 2007


Publikation

Teufelshuf und Himbeerbrause

Eine höllisch-spannende Geschichte

Teufelshuf und Himbeerbrause
Edition:Alwis Verlag
ISBN:978-3-938932-53-7
Einband:Taschenbuch
Seiten / Umfang:120 Seiten
Maße:21,0 cm x 13,0 cm
Preis:8,95 € inkl. 7% MwSt

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Leseproben & Infos

Teufelshuf und Himbeerbrause

Der Alptraum, der keiner war

 

Die beiden Zeiger der Wohnzimmeruhr standen kurz vor der Zwölf, im Haus war es ganz ruhig, bis auf das leise Schnarchen und Schnauben von Großvater und Großmutter und das Knuspern der Maus, die unter dem Küchentisch ein paar Brotkrumen gefunden hatte. Draußen schrie ein Käuzchen und ein leichter Luftzug bewegte die Blätter der Linde.

Dann ging das Türchen der Uhr auf, der hölzerne Kuckuck sprang ein ums andere Mal hinaus, bis er nach dem zwölften Mal mit einem leisen Klack wieder dahinter verschwand. Mitternacht! Plötzlich öffnete sich krachend das Küchenfenster und ein eisiger Luftzug pfiff durch den Raum. Zwei Irrlichter kletterten leise kichernd über das Fensterbrett, sprangen auf den Boden und legten mit kleinen Flämmchen eine Strecke vom Fenster bis zum Küchentisch. (Nun wisst ihr bestimmt nicht, was Irrlichter sind, oder? Man erzählt sich, dies wären Geister, wobei nicht die Lichter selbst jene Wesen sind, vielmehr halten sie kleine Flämmchen empor, die für den Menschen sichtbar sind. Wer sich ihnen, von Neugier gepackt, unvorsichtig zu nähern versucht, der kommt vom Weg ab und wird in die Irre geleitet. Die Irrlichter stammen von Menschen ab, deren Seelen keine Ruhe finden und zwischen den Welten umherirren. Menschen, deren Seelen keine Ruhe finden, haben wohl etwas Schlechtes im Leben getan, jemanden angelogen, etwas gestohlen oder gar Schlimmeres …)

Jetzt war ein Zischen zu hören, das bedrohlich näherkam und immer lauter wurde. ZZZZZZZZZZZZZZ SCHOAAAAAHHHHHHH ZZZZZZZZZZ HOOOOOOAAAAAAAAAAA!!!!!!! Eine Hexe auf einem mit lila Lenkerband umwickelten Besen kam durch das Fenster geflogen, kurz vor dem Tisch versuchte sie zu bremsen, doch dann knallte sie mit voller Wucht gegen die Tischkante und der Tisch zerfiel in winzige Späne. Die beiden Irrlichter hielten sich die Bäuche und lachten knisternd. Der Hexe wuchs eine riesige Beule an der Stirn, die fast so groß war, wie ihre Nase. Außerdem war ihre Augenbraue verletzt und weil sie blaue Haare hatte, färbte das Blut sie nun auch lila, was ganz hübsch aussah. „Ogottogott“, jammerte sie nun, inmitten der Späne sitzend, „das tat weh!“ Dann grinste sie und fügte kichernd hinzu: „Der schöne Tisch!“ Sie drehte sich zum Fenster, von wo jetzt ein Stöhnen, Schleifen, Klappern und Scheppern zu hören war. Irgendwer schnaufte ums Haus. Dann erschien ein bleicher Schädel im Fensterrahmen, zwei weiße Hände klammerten sich ums Fensterbrett und schließlich schoben sich zwei klappernde, knöcherne Beine in die Höhe. Ein Gerippe hopste in die Küche und schüttelte seine Glieder. Die vier unheimlichen Besucher schienen sich zu kennen, sie begrüßten einander mit einem gelangweilten „Naaaaa?“

Da sie sich sonst wohl nichts weiter mitzuteilen hatten, hockten sie sich um die Reste des Küchentisches. Die Hexe ließ wieder und wieder Späne durch ihre Finger rinnen, das Gerippe schaufelte sie sich in den Schädel und sah vergnügt zu, wie sie zwischen den Rippen nach unten sanken. Die beiden Irrlichter kokelten ein bisschen. Ab und zu sah einer von ihnen zur Uhr. Offenbar erwarteten sie noch jemanden. Dann kam eine Wolke Gestank hereingeweht, die Vier sahen sich an. Selbst das Ticken der Uhr schien leiser zu werden, so unheimlich war es in der Küche. Der Kuckuck hinter seinem Türchen zitterte und fürchtete, dass wieder eine Stunde vergangen sei und er müsse hinaus.

Draußen kam ein Stampfen näher, Roooiiiing tock, Roooiiiing tock, Roooiiiing tock.

Es verstummte plötzlich. Doch dann flog mit lautem Krachen die Tür auf und im Rahmen stand ein riesiger Kerl, auf dessen Schädel der Mond schien. Der Riese hatte zwei Arme, zwei Beine (von denen eines unten seltsam spitz wurde wie ein Huf), seine Haut schien aus rotem Leder zu sein und an den Beinen wuchs üppiges schwarzes Haar. Sein Gesicht wirkte im Gegenlicht wie zerknittert, unendlich viele Falten kreuzten sich um Augen, Mund und Nase. Über den Augen, die kohlendunkel waren, wölbten sich buschige Brauen, im Mund konnte man dunkle, abgebrochene Zahnstümpfe erkennen. Auf dem Kopf aber wuchsen zwei prächtige Hörner aus dem wirren Haargesträuch empor, die bogen sich ein wenig nach den Seiten. Und wirklich: Eines der Beine endete in einem Pferdehuf! Dies also war das Tock beim Laufen gewesen. Als wäre die Gestalt nicht schon unheimlich genug, wuchs ihm auch noch am Hinterteil ein Schwanz, dessen Spitze in einer roten Quaste endete, die am Boden entlangschleifte.

Der Teufel selbst war es, der hier in die Gegend gekommen war! Und das nicht etwa, um mit Großvater und Großmutter Lindenblütentee zu trinken. Oh nein! Er hatte nämlich schon in den Stachelbeersträuchern gesessen, als Großvater und Großmutter lachend über die Wiese rollten.

Es war etwas ganz Anderes, was den Teufel wieder hierhergelockt hatte. Er hatte einen teuflischen Plan und dieses Mal war sein Plan besonders teuflisch, weil er, wie man so schön sagt, eine ganze Menge Fliegen mit einer einzigen Klappe erledigen wollte.

Nun war es so, dass dem Teufel eine Sache zutiefst anwiderte: Er konnte es einfach nicht ertragen, wenn sich zwei Menschen gut verstanden, er kriegte ein fürchterliches Jucken unterm Fell, wenn sie lachten, sich umarmten, sich zublinzelten oder sich gegenseitig etwas auf der Blockflöte vorspielten. Am allerschlimmsten aber war es für ihn, wenn sie sich richtig doll liebhatten. Dann drehten sich ihm kunterbunte Kreise vor den Augen, er konnte nichts mehr essen und das Jucken unterm Fell wurde so unerträglich, dass er sich ganze Büschel davon rausriss. Das Einzige, was dann noch half, war, sich böse Streiche auszudenken, sich reinzumischen, bis er es geschafft hatte, dass Tränen flossen, Kaffeekannen über Tische flogen oder jemand seinen Koffer packte, um in eine ganz weit entfernte Stadt zu ziehen, damit er dem Anderen ja nie mehr begegnen musste. Dann, ja dann, ging es diesem gemeinen Gesellen wieder gut, dann wuchsen die Löcher im Fell mit weichem Flaum wieder zu, dann schlachtete er ein Wildschwein und trank Malzbier, drei Tage und Nächte hintereinander. Zu Großvater und Großmutter war er gekommen, weil er sich Folgendes dachte: Wenn die beiden es schon so lange miteinander ausgehalten hatten, war es schon eine Leistung, sie gegeneinander aufzubringen. Wenn ihm das gelang, waren alle anderen ein Kinderspiel: die Freunde in der Schule, die jungen Verliebten, die Ehepaare – wie eure Eltern zum Beispiel. Kurzum, wenn es ihm gelang, dass Großvater und Großmutter sich so stritten, dass einer seinen Koffer packte, dann hatte er ein Rezept gefunden, dass immer funktionierte.