Von Nirgendwo nach Immerfort

Von Nirgendwo nach Immerfort

Lotte, die alte Dampflok, steht schon lange auf dem Abstellgleis. Niemand braucht sie, niemand will hören, was sie aus ihrem langen Leben zu erzählen hat – bis zu dem Augenblick, als Florians bunter Ball im Schornstein der alten Lokomotive landet …

Zitat:

"Dann ist Lotte ja,... im Himmel"

Auf jede Frage gibt es eine Antwort. Nur emotionale Fragen machen uns das Leben oft schwer. Vor eine besondere Herausforderung werden wir gestellt, wenn wir Kindern die Welt erklären. Um ihnen das Ableben eines geliebten Menschen begreiflich zu machen, bedarf es einer großen Portion an Feingefühl. Eine kleine Hilfe beim Verstehen und Verarbeiten bietet hierbei die herzergreifende Geschichte einer in die Jahre gekommenen Lokomotive, welche das Buch "Wie die alte Dampflok in den Himmel kam" vom Alwis Verlag Kindern ab 5 Jahren erzählt.

Text: Nora Tschök, Kids & Co, Leipziger Ausgabe Nov / Dez.2010


Publikationen

Die Geschichte von Bleistift, Radiergummi und Spitzer

Die Geschichte von Bleistift, Radiergummi und Spitzer
Edition:Edition Krümel
ISBN:978-3-938932-03-2
Einband:Taschenbuch/ Fadenheftung
Seiten / Umfang:48 Seiten
Maße:14,0 cm x 17,5 cm
Preis:4,90 € inkl. 7% MwSt

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Ritter Titus und der Drache Liederlich

Ritter Titus und der Drache Liederlich
Edition:Edition Krümel
ISBN:978-3-938932-04-9
Einband:Taschenbuch mit Klebebindung
Seiten / Umfang:28 Seiten mit farbigen Illustrationen
Maße:14,0cm x 17,5 cm
Preis:4,50 € inkl. 7% MwSt

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Wie die alte Dampflok in den Himmel kam

Wie die alte Dampflok in den Himmel kam
Edition:Edition Krümel
ISBN:978-3-938932-13-1
Einband:Taschenbuch
Seiten / Umfang:48 Seiten
Maße:14,0 cm x 17,5 cm
Preis:4,90 € inkl. 7% MwSt

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Leseproben & Infos

Skizzen und Bilder zum Buch von Heike Georgi

Wie die alte Dampflok in den Himmel kam

... Eigentlich ist es ziemlich einsam auf dem Bahnhof und die Freunde verbringen die meiste Zeit damit, über vergangene Zeiten zu reden. Elfriede, die rot-weiße Bahnschranke, streckt sich und schaut gelangweilt in den Himmel. Da oben fliegt doch etwas, denkt sie und reibt sich die Augen. Und tatsächlich: Von oben herab fliegt ein bunter Ball genau auf Lotte zu und verschwindet in ihrem Schornstein. Die Dampflok ist sehr erschrocken. Was war denn das? Sie fühlt sich, als sei ihr eine dicke Hummel in die Nase geflogen. Langsam bäumt sich Lotte auf. „Ha ..., ha ..., ha ..., pffff!“ Der schwarze Kessel der Lok wird dicker und dicker und wieder schnauft sie: „Ha ..., ha ..., ha ... pffff!“ Besorgt schauen die Freunde auf die alte Dampflok. Plötzlich ertönt ein ohrenbetäubendes „Haaaatschiii!“ und im selben Augenblick fliegt der bunte Ball wie eine Kanonenkugel aus Lottes Schornstein heraus, hoch in den Himmel. Alle zucken zusammen. Theo sagt kleinlaut: „Gesundheit!“ Kaum dass er es ausgesprochen hat, fällt der Ball wieder herab und trifft diesmal sehr hart auf die Bahnschranke. Elfriede ist sauer. „Was ist denn hier los?“, empört sie sich. Der Ball springt weiter zu Theo und verpasst ihm einen großen, schwarzen Rußfleck.

 

„Oje, oje, was für ein Schmutz, igitt, igitt!“, ruft er verärgert. Auch vom Weichensignal prallt der Ball ab und landet schließlich im Wassertank. „Hoppla, was bist du denn für einer?“, schmunzelt der dicke Otto. Elfriede schimpft und kann sich nicht beruhigen, Theo beginnt sich erneut zu putzen und Lotte schnauft aus ihrem Schornstein. Es ist immer noch ein großes Durcheinander, als plötzlich ein kleiner, rothaariger Junge mit vielen Sommersprossen im Gesicht das Gelände betritt. „Halt! Stehen bleiben!“, ruft die Bahnschranke ihm zu. Doch der Junge reagiert nicht. „Haaalt! Hast du nicht gehört? Aaanhaaallllteeen!“, ruft ihm Elfriede erneut zu. „Aber ich suche doch meinen Ball! Habt ihr ihn vielleicht gesehen?“, möchte der kleine Junge aufgeregt wissen. „Und ob, mein Freund!“, antwortet Elfriede ziemlich schroff. „Könnte ich ihn bitte wieder …?“, wendet sich der Junge ganz verschüchtert an die Bahnschranke, doch Lotte unterbricht ihn: „Natürlich kannst du deinen Ball wiederhaben. Wie heißt du denn, kleiner Mann, und was machst du hier auf dem Bahnhofsgelände?“ Noch bevor der kleine Junge antworten kann, schreit plötzlich Theo laut auf: „Hilfe! Hiiilfe! Ich bin doch kein Baum! Was machst du da? Aufhören! Hiiilfe!“

 

Alle schauen beunruhigt zu Theo. Als sie schließlich sehen, was der Auslöser für seinen Hilferuf war, beginnen die Freunde herzhaft zu lachen. Selbst Elfriede, die den kleinen Jungen eben noch verärgert gemustert hat, krümmt sich nun vor Lachen: Neben Theo steht ein kleiner, weißer Hund mit schwarzen Flecken, der gerade sein Hinterbein hebt. Der kleine Junge ruft laut: „Pfui!“, und der Hund läuft schnell weiter. Während immer noch alle lachen, wischt sich Theo den Angstschweiß aus dem Gesicht. „Ja, ja, spottet ihr nur!“, ruft er seinen Freunden ärgerlich zu. „Entschuldige, Theo! Wir wollten dich nicht auslachen“, meint Lotte lächelnd, „aber das sah einfach zu lustig aus.“ „Jack, komm zu mir!“ Energisch gibt der Junge seinem Hund ein Kommando. „Du bist also Jack“, spricht die Dampflok den Hund an. „Und wer bist du?“, wiederholt sie ihre Frage und schaut dabei zu dem kleinen Rotschopf. „Ich heiße Florian, aber alle nennen mich nur Flori“, antwortet der Junge verlegen. „Es tut mir leid, wenn wir euch erschreckt haben.“

  

„Erschreckt haben! Pah! Das ist gut!“, empört sich Theo und putzt noch immer sein Gesicht. „Nun hör schon auf zu jammern! Es ist doch nichts passiert!“, ruft Otto und wirft dabei Flori den Ball zu. Der kleine Junge bedankt sich und schaut sich dann interessiert um. Langsam nähert er sich der alten Dampflok. Elfriede und der dicke Otto beobachten den Jungen genau. Nur Theo ist noch ziemlich aufgeregt und putzt seine Scheiben wieder und wieder. Florian streicht behutsam über die großen, roten Metallräder und Lotte kichert: „Huch, hi, hi, das kitzelt aber!“ Der kleine Junge ist beeindruckt: „So eine schöne Dampflok habe ich noch nie gesehen! Warum stehst du hier so ganz allein? Kann ich ein Stück mit dir fahren?“ „Oh, danke mein Kleiner! Das hör ich gern“, erwidert Lotte geschmeichelt, „und nichts würde ich lieber tun, als mit dir einfach loszufahren. Aber ich stehe hier auf einem Abstellgleis. Ich bin zu alt und schon viele Jahre nicht mehr gerollt.“ Doch Florian lässt Lotte nicht los. Sanft streicht seine kleine Hand über das schwarze Eisen. Fast ehrfurchtsvoll schreitet er um die alte Dampflok, als ahne er, dass sie schon viel von der Welt gesehen hat.

 

Lotte fühlt sich sichtlich wohl und schließt ihre Augen. Als sie das letzte Mal so zärtlich berührt wurde, war es ein trauriger Anlass. Es war der Tag, an dem sich Paul, ihr bester Freund, von ihr verabschiedet hat. Paul war ihr Lokführer gewesen und die Leute erzählten, er sei in Rente gegangen. Lotte weiß zwar bis heute nicht, was das bedeutet, „in Rente gehen“, aber so ganz glücklich schien auch Paul darüber nicht gewesen zu sein. Und seit diesem Tag stehen Lottes Räder still. Noch lange danach kam Paul zum Bahnhof, um nach ihr zu sehen. Eines Tages hörte sie, dass ihr Freund jetzt im Himmel sei. Paul war nicht wiedergekommen und seitdem hatte Lotte nur einen einzigen Wunsch: Sie möchte auch gern in den Himmel fahren. Rundherum ist es ganz still. „Schläfst du?“, flüstert Flori. „Nein, mein Kleiner, ich war nur gerade in Gedanken versunken“, gibt Lotte ihm leise zur Antwort. „Welche Gedanken? Möchtest du mir davon erzählen?“ Flori schaut die Dampflok fragend an. Lotte wundert sich sehr. Auf dem Spielplatz ganz in der Nähe spielen ja jeden Tag viele Kinder. Manchmal hört Lotte sie auch rufen und einmal

 

hatten sich sogar einige von ihnen im Lokschuppen versteckt, doch noch nie waren sie zu ihr gekommen und hatten Lotte nach ihrer Geschichte gefragt! Jetzt aber will ein kleiner Junge ihr, der alten Dampflok, zuhören. Das hatte es noch nie gegeben! ...


Viel Spaß beim Ausmalen! Folge den Buchstaben und finde den richtigen Weg.