Acht junge Reiter aus unterschiedlichen Ländern ...

Acht junge Reiter aus unterschiedlichen Ländern ...

Sprudelnde Geysire, brennender Wüstensand, steile Klippen am Fjord und die unendlichen Prärie Nordamerikas sind nur einige Orte, die wie geschaffen sind für spannende Abenteuer hoch zu Ross.

Acht junge Reiter aus unterschiedlichen Ländern erleben auf dem Rücken ihrer Pferde brenzlige Situationen, müssen schwierige Aufgaben bewältigen und vor allem eins: Mutig sein und auf sich selbst vertrauen! Dann kann fast alles gelingen.

Mit Lesezeichen und A2 Poster


Publikationen

Dawi – und die Legende vom Geist des Waldes

Dawi – und die Legende vom Geist des Waldes
Edition:Natur im Viereck
ISBN:978-3-938932-49-0
Einband:Hardcover
Seiten / Umfang:44 Seiten
Maße:20 cm x 20 cm
Preis:9,90 € inkl. 7% MwSt

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Zwischen Steppe und Sternenhimmel

Pferdeabenteuer aus aller Welt

Zwischen Steppe und Sternenhimmel
Edition:Alwis Verlag
ISBN:978-938932-39-1
Einband:Hardcover
Seiten / Umfang:96 Seiten
Maße:20,5 cm x 14,5 cm
Preis:12,95 € inkl. 7% MwSt

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Leseproben & Infos

Neben einigen Bildern aus dem Buch "Zwischen Steppe und Sternenhimmel" haben wir noch Blder aus dem Pferdekalender "Magie im Galopp" 2016 von Sandra Mahn ausgesucht.


Eisland

Eisland

Flikka stapfte durch das knirschende Eis. Ein frostiger Wind blies durch ihre dichte Mähne und Lena musste sich ganz eng an ihren Hals drücken, damit ihr nicht so viel Schnee ins Gesicht wehte. Sie kletterten auf einem schmalen Pfad, der sich um einen Felsen wand und in das Tal führen sollte, das dahinter lag.

„Glaubst du, es ist wirklich hier heraufgestiegen?“, fragte Tristan hinter ihr und schaute ausnahmsweise von Krákas schwarzer Mähne auf. Als der Wind ihre Antwort verschluckte, musste Lena sich zu ihm umdrehen und blickte in zusammengekniffene Augen über einer Nase, so rot wie ihre eigene.

„Es kann nicht mehr weit sein!“, rief sie noch einmal und versuchte, ihm die Spuren zu zeigen, die sie im Schnee entdeckt hatte. Tristan nickte und umklammerte die Zügel mit seinen kalten Händen, während Lena ihre Stute weiter vorantrieb.

„Je eher wir es finden, desto schneller sind wir zurück!“, flüsterte sie in Flikkas Ohr. Das Pony schnaufte und kletterte immer höher hinauf. Als sie die Spitze des Berges erreichten, ging es wieder ein Stück hi-nunter, zu einer windgeschützten Stelle, an der eine breite Felsspalte klaffte.

„Vorsicht, dort geht es weit runter!“, warnte Tristan, aber Lena ließ ihre Stute antraben und sprang einfach über die Spalte.

„Na, das kannst du wohl nicht, was?“, neckte sie Tristan, der unter seinem rot gefrorenen Gesicht wahrscheinlich ziemlich blass aussah. Aber er trieb Kráka voran und folgte ihr. Als sie auf der anderen Seite der Spalte landeten, blickte er in Lenas erschrockenes Gesicht.

„Na, das hättest du wohl nicht gedacht, was?“, grinste er zufrieden zurück.

„Still!“, machte Lena und legte den Handschuh an die Lippen. Tristan war beleidigt. Aber dann, als das Heulen des Windes für einen Moment nachließ, hörte auch er, worauf Lena lauschte. Ein dünnes „Määh!“ drang aus der Felsspalte zu ihnen herauf. Und dann noch einmal: „Määäh!“

Fast gleichzeitig sprangen sie aus den Sätteln und krochen vorsichtig auf dem Felsen entlang, bis sie das Lamm sahen, das mehr als eine Armlänge tief in die Spalte gerutscht war und nun feststeckte.

„Wir machen eine Schlinge!“, erklärte Tristan und lief zu seinem Pferd zurück, wo er ein dünnes Seil aus der Satteltasche holte. Gemeinsam knüpften sie eine Schlaufe, die sie vorsichtig zu dem Schaf hinab-ließen, bis sich das Seil um die Vorderbeine legte und Tristan und Lena die Schlinge festziehen konnten. Mit aller Kraft zerrten die beiden an dem Strick, aber das Lamm war schon ein halbes Jahr auf der Weide gewesen und hatte sich fett und schwer gefressen.

„Dummes, dickes Ding!“, schimpfte Lena. Sie stampfte verärgert mit dem Fuß auf, als sie merkte, dass ihre Kräfte sie verließen. Tristan sah sie ratlos an. Aber Lena beruhigte sich schnell wieder. Sie starrte zu den Pferden, die abseits im Schnee standen – Eisklumpen an Maul und Wimpern. Plötzlich hatte sie eine Idee. Lena stapfte entschlossen auf Flikka zu und knotete ihrem Pony das Seil am Sattel fest. Dann führte sie die Stute von der Spalte fort und Flikka zog das Schaf Stück für Stück nach oben.

Das Lamm schrie noch immer ängstlich, als sie es längst befreit hatten, und seine Beine waren wackelig, als könnte es nicht glauben, dass es auf festem Boden stand.

„Super, Lena!“, lobte Tristan und klopfte ihr auf die Schulter. Aber Lena war das egal. Sie hatte die Nase voll vom Schnee und wollte zurück in die Ebene.

Mit vereinten Kräften warfen sie das Lamm quer über Flikkas Sattel.

Lena stieg dahinter auf.

„Also los, reiten wir zurück!“, rief sie.

„Zurück auf den Berg? Da bringen mich keine zehn Pferde wieder rauf! Wir reiten auf diesem Weg weiter, das ist eine Abkürzung.“

Lena sah Tristan skeptisch an, aber sie vertraute ihm und ließ ihn mit Kráka vorangehen. Sie folgten dem schmalen Pfad. Er führte nun wieder steil bergab, aber die trittsicheren Islandponys fanden ihren Weg und stolperten kein einziges Mal.

Sie ritten nun schon eine Weile, aber von der Ebene und der Herde war noch immer nichts zu sehen. Flikka schüttelte müde ihre Mähne und Lena rief grimmig: „Wir haben uns verlaufen, nicht wahr? Gib es doch zu, deine Abkürzung führt nirgendwo hin!“

Tristan setzte an, etwas zu entgegnen, als der Pfad plötzlich eine Biegung machte und den Blick auf ein weites Feld freigab. Es war eine Lavawüste. Vor vielen Tausend Jahren hatte sich hier flüssiges Gestein über dem Fels ausgebreitet und war zu einer schwarzen welligen Platte erstarrt. Darin waren überall kleine blubbernde Teiche, die von Zeit zu Zeit dampfende Fontänen ausstießen, und der Schnee war hier ganz weggetaut.

„Geysire“, murmelte Lena. „Ich fasse es nicht, wohin hast du uns geführt?“ Sie war wütend auf Tristan, aber gleichzeitig war sie so erstaunt über das Schauspiel, dass sie den Blick kaum abwenden konnte.

„Wahrscheinlich ist der Weg länger, als ich dachte“, sagte Tristan leise, dann stieg er von Krákas Rücken.

„Wir können hier übernachten und morgen suchen wir die anderen.“ Er sah Lena fragend an und sie entschied sich, sein Friedensangebot zu akzeptieren.

Sie setzten das Lamm vorsichtig auf den Boden und lösten ihre Sättel. Lena suchte ein paar Flechten, um die Kratzer des Lamms zu verarzten, während Tristan ihren kläglichen Proviant ausbreitete. Als er bemerkte, was sie vorhatte, begann er plötzlich, seine Jacke aufzuknöpfen.

„Was machst du da?“, fragte Lena entsetzt.

„Ich gebe dir meine Unterwäsche.“

„Was? Bist du verrückt geworden?“

„Anders wird es nicht halten!“, erklärte er unwirsch.

Er legte die Flechten auf sein Hemd und umwickelte das Lamm damit, wie mit einem Verband.

„Das war eine gute Idee“, musste Lena zugeben.Dann erst merkte sie, wie ihr Magen knurrte. Sie griff nach einem getrockneten Fisch und gab auch Flikka einen. Die Stute schnappte mit den Lippen danach und schon war der Fisch in ihrem Maul verschwunden. Tristan grinste. „Wie gut, dass unsere Pferde alles fressen!“

Das Lamm zupfte am Moos und Lena band seine Vorderbeine zusammen, damit es nicht noch einmal davonlief. Dann holte sie ihre Satteldecke, die aus dichtem Fell genäht war, und legte sich neben Tristan auf den warmen Felsen. Sie glaubte fast, das Brodeln unter sich spüren zu können, als ein paar Schritte weiter wieder eine Fontäne aufstieg. Der Himmel blieb die ganze Nacht hell und Lena konnte kaum einschlafen.

„Glaubst du, dass wir den Viehtrieb wiederfinden?“, fragte sie müde. Tristan lag ganz ruhig da und starrte in die Dämmerung, die nun schon seit Stunden währte. Die Pferde standen neben ihnen und schnaubten, das Lamm hatte sich hingelegt.

„Die Ponys haben einen guten Orientierungssinn“, erklärte er. „Sie riechen ihre Herde meilenweit. Sie werden uns zu den anderen bringen.“ Er lächelte Lena an und plötzlich hatte sie wieder Hoffnung. Sie schloss ihre Augen und irgendwann schlief sie ein.

Als sie aufwachte, war Tristan schon aufgestanden und hatte Kráka gesattelt. Flikka stupste ihre Reiterin ungeduldig an und Lena rappelte sich auf, um zu helfen. Kurze Zeit später hatten sie das Lamm und das Gepäck verstaut und saßen fest im Sattel.

„Und jetzt schauen wir mal, was unsere Ponys können!“, meinte Tristan grinsend.

Nach und nach gab Lena ihrem Pferd die Zügel hin und versuchte, auch mit den Beinen nicht mehr auf Flikka einzuwirken. Instinktiv schlug das Pony einen Weg durch die Felslandschaft ein und als es bemerkte, wie frei es war, blähte es die Nüstern und schritt zügig aus. Lena musste lachen und stellte fest, dass sie gar keine Angst hatte. Sie vertraute ihrer Stute und wusste tief in ihrem Herzen, dass sie das Richtige tat. Im schnellen Tölt flogen sie über Gras und Steine dahin und merkten kaum, wie ihre Pferde die Hufe setzten.

Sie ritten noch ein ganzes Stück weiter hinunter, wieder an einer steilen Felswand entlang. Die beiden Ponys wieherten laut, als ob sie nach den anderen Pferden rufen wollten. Und tatsächlich hörten die Kinder schon bald eine dünne Antwort.

„Sie können nicht mehr weit sein!“, rief Lena erleichtert. Dann sah sie auch schon die weite Ebene, wo das Gras gelb geworden und der Boden sumpfig war. Der Viehtrieb war nicht mehr als einen ordentlichen Galopp entfernt. Wie ein zäher Tropfen zog sich die Schafherde in die Länge und dicht neben der Herde ritten Männer auf ihren Islandpferden und trieben die Tiere voran.

Lena setzte Flikka in schnellen Pass. Weit ausholend warf die Stute abwechselnd das rechte und linke Beinpaar nach vorn und rannte über die Ebene. Mit einer Hand musste Lena das Lamm festhalten, damit es nicht runterfiel, mit der anderen winkte sie ihrem Vater und rief nach ihm.

Leikna, der rote Hund, kam ihr entgegengesprungen und wedelte freudig mit seiner geringelten Rute. Tristan schloss zu ihr auf und rief: „Wer zuerst da ist!“

Da ließ Lena die Zügel schießen und ihre Stute streckte sich, um die anderen abzuschütteln. Tristan blieb hinter ihnen zurück und Flikka wieherte, als würde sie sich über den Sieg freuen. Lena umklammerte das Lamm und war überglücklich.

Jetzt wusste sie auch, dass ihr Pony niemals die Orientierung verlor. Sie konnte sich immer auf Flikka verlassen.